Stressfrei unterwegs

Deutschland ist eines der am stärksten motorisierten Länder der Welt, das heißt: In kaum einem anderen Land rollen so viele Autos auf den Straßen wie in der Bundesrepublik. Der Pkw-Bestand ist nach Berechnungen des Bundesverkehrsministeriums in den letzten Jahren stetig gestiegen – allein zwischen den Jahren 2000 und 2004 um rund 2,2 Millionen Autos auf über 45 Millionen. Und das Umweltbundesamt erwartet einen weiteren deutlichen Anstieg bis 2020. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass das Verkehrsaufkommen in Deutschland spürbar zurückgehen wird.

Das bedeutet neben vollen Straßen und einer entsprechenden Luftverschmutzung auch einen Anstieg des Lärmpegels.

An die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm wird oftmals nicht gedacht

Die Geräuschemissionen des Straßenverkehrs finden in der öffentlichen Diskussion um Umweltschutz jedoch nicht viel Beachtung. Dabei sind die Auswirkungen auf den Menschen beträchtlich: Lärm ab einer Lautstärke von 55 dB(A) wird als Beeinträchtigung des Wohlbefindens angesehen, ein Lärmpegel von 65 dB(A) gilt als gesundheitsgefährdend. Bedenkt man, dass ein Pkw mit konstanter Geschwindigkeit von ca. 50 km/h bereits im Mittel einen Lärmpegel von über 70 dB(A) erreicht, erscheinen die Geräuschemissionen des Gesamtverkehrsaufkommens in einem anderen Licht. Die offensichtlichsten Gesundheitsfolgen können Beeinträchtigung des Hörsinns und sogar ein Gehörsturz (Tinnitus) sein. Außerdem verursacht Lärm Stress, und dauerhafter Stress kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko führen.

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass fast die Hälfte der Bevölkerung tagsüber einer Lärmbelastung durch den Straßenverkehr ausgesetzt ist, die das körperliche und soziale Wohlbefinden beeinträchtigt. Und immer noch 15 Prozent leiden unter einer Lärmbelastung, die sogar als gesundheitsbeeinträchtigend gilt.

Doch damit nicht genug: Wer bei geöffneten Fenstern schläft, muss damit rechnen, dass sein Schlaf alles andere als erholsam ist: Denn auch nachts ist die Hälfte der Bevölkerung einem Geräuschpegel aus dem Straßenverkehr ausgesetzt, der Schlaf und Gesundheit beeinträchtigt.

Dabei haben sich die Erwartungen, dass strengere Geräuschgrenzwerte für Pkws die Lärmbelastungen reduzieren würden, nicht erfüllt: Der Mittelwert der Geräuschemission eines vorbeifahrenden Pkws hat sich seit 25 (!) Jahren kaum verändert. Probleme bereiten dabei weniger die Motorengeräusche, da ab einer Geschwindigkeit von rund 35 km/h die Reifengeräusche die Antriebsgeräusche des Motors übertreffen. Der Technik sind hier also Grenzen gesetzt.

Eine spürbare Senkung des Straßenverkehrslärms muss also auf eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens setzen.

Eine Maßnahme ist die verstärkte Nutzung des ÖPNV: Wenn sich die Personen, die im Straßenverkehr unterwegs sind, auf weniger Fahrzeuge verteilen, also weniger Fahrzeuge unterwegs sind, sinkt der Mittelungspegel und die durchschnittliche Lärmbelastung für die Anwohner.